Living Lab
Das Farbarchiv als Living Lab: Raum als Arbeits- und Denklandschaft, in der Materialien zirkulieren, reifen, sedimentieren. Ordnung und Unordnung stehen in einem produktiven Gleichgewicht, vergleichbar mit einem Labor, das zugleich Küche, Werkstatt und Archiv ist.
Farbe wird hier nicht als bloße Oberfläche verstanden, sondern als prozesshafte Substanz. Jedes Glas verweist auf Herkunft, Zeit, Temperatur, Handgriff und Erfahrung. Die Sammlung erzählt von Färbeprozessen, Extraktionen, Oxidationen und Verdichtungen. Kunst wird so zum Träger von Experiment und Alchemie, bei der Wissen nicht abstrakt gespeichert, sondern materiell verkörpert ist.
In Anlehnung an Xie He wird das Bild nicht allein nach seiner Erscheinung beurteilt, sondern nach seinem qiyun, der Lebendigkeit des Materials. Der Farbstoff selbst wird zum konstitutiven Bestandteil des Bildes. Seine Herkunft und Herstellung sind ebenso bedeutsam wie das sichtbare Ergebnis. Farbe ist nicht neutral, sondern biografisch, ökologisch und kulturell aufgeladen.
Das Archiv fungiert als offenes System: Es lädt zur Weitergabe, Wiederverwendung und Transformation ein. Kunst erscheint hier als kontinuierlicher Prozess, als Forschung in Handlung, bei der Materialwissen, Zeitlichkeit und sinnliche Erfahrung untrennbar miteinander verbunden sind.